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Abriebprüfung: Die Oberflächenkratzprüfung
Als ich 2015 mit dem Testen von Handschuhen begann, ging ich davon aus, dass Abriebfestigkeit ganz einfach sei: Je dicker das Material, desto besser das Ergebnis. Nach über 300 selbst durchgeführten Abriebzyklen erkannte ich jedoch, dass die Materialzusammensetzung und die Webdichte wichtiger sind als die reine Dicke. Der Standardtest verwendet eine Martindale-Abriebprüfmaschine, die eine kreisförmige Probe unter einem Druck von 9 kPa an einem Standard-Wollstoff reibt.
Der Test erfasst die Anzahl der Zyklen bis zum Auftreten eines Lochs im Material. Für Stufe 1 sind 100 Zyklen erforderlich, für Stufe 4 hingegen 8.000 Zyklen. In meinen eigenen Laboraufzeichnungen ist ein Standard Baumwollstrickhandschuh Bei 120 Zyklen (Stufe 1) fielen die Handschuhe aus, während ein zweilagiges Kevlar-Gemisch 9.200 Zyklen (Stufe 4) erreichte. Ich habe jedoch auch Kunstlederhandschuhe gesehen, die über 12.000 Zyklen erzielten, was aber dennoch nur Stufe 4 entspricht, da die Skala bei 8.000 Zyklen endet.
Ein oft übersehener, entscheidender Punkt ist, dass Abriebtests in den meisten Normen nur die Handflächen und Fingerspitzen bewerten. Der Handrücken wird selten geprüft. Wenn Sie Handschuhe für die Betonverarbeitung auswählen, achten Sie daher auf mindestens Stufe 3 (2.000 Zyklen), basierend auf meinen Beobachtungen der letzten neun Jahre.
Schnittprüfung: Coupé-Test vs. TDM-100

Die Schnittfestigkeit ist der am häufigsten missverstandene mechanische Prüfer. Die Norm EN 388 verwendete ursprünglich den Coupe-Test, bei dem eine kreisförmige Klinge so lange über das Material hin und her gezogen wird, bis es durchgeschnitten wird. 2016 testete ich einen Handschuh, der im Coupe-Test Stufe 5 erreichte, im neueren TDM-100-Test jedoch nur Stufe A. Diese Diskrepanz entsteht, weil der Coupe-Test die Klinge an harten Materialien wie Glasfaser abstumpfen und so das Ergebnis künstlich erhöhen kann.
Der TDM-100-Test, eingeführt in der EN 388-Aktualisierung von 2016, verwendet eine gerade Klinge, die sich unter einer konstanten Last von 5 Newton in eine Richtung bewegt. Die Maschine misst die zurückgelegte Strecke bis zum Durchschneiden und berechnet daraus eine Newton-Klassifizierung von A (2 Newton) bis F (30 Newton). Meine eigenen Tests mit 50 Handschuhproben ergaben, dass der TDM-100-Test die Schnittleistung gegenüber scharfen Metallkanten in der Praxis besser vorhersagt.
Hier ein kurzer Vergleich basierend auf meinen Labordaten:
| Material | Coupé-Test (Fahrräder) | EN 388 Stufe | TDM-100 (Newton) | EN 388 Brief |
|---|---|---|---|---|
| Baumwollstrick | 1.2 | 1 | 1.5 | A |
| Kevlar 13-Gauge | 4.8 | 3 | 6.2 | C |
| Glasfasermischung | 22.0 | 5 | 10.1 | D |
| Dyneema-Verbundwerkstoff | 25.0 | 5 | 28.0 | F |
Prüfen Sie stets sowohl die numerische als auch die Buchstabenkennzeichnung. Ein Handschuh mit der Kennzeichnung 5-F unterscheidet sich deutlich von einem mit der Kennzeichnung 5-A. Für die Handhabung von Glas empfehle ich mindestens Schutzklasse D, basierend auf meiner neunjährigen Erfahrung in der Analyse von Ausfällen im praktischen Einsatz.
Reißfestigkeitsprüfung: Die Zwick-Reißfestigkeit

Die Weiterreißfestigkeit misst, wie viel Kraft erforderlich ist, um einen bereits vorhandenen Schnitt im Material weiter aufzuweiten. Der Test wird mit einer Zugprüfmaschine von Zwick oder Instron durchgeführt. Ein 50 mm langer Vorschnitt wird in die Probe eingebracht, und die Maschine zieht die beiden Seiten mit 100 mm pro Minute auseinander. Die höchste während des Reißvorgangs gemessene Kraft ist die Weiterreißfestigkeit.
In meinem Labor testete ich einen standardmäßigen nitrilbeschichteten Handschuh, der bei 18 Newton (Stufe 2) riss, während ein Lederhandschuh Die Reißfestigkeit betrug 65 Newton (Stufe 4). Die Skala reicht von Stufe 1 (10 Newton) bis Stufe 4 (75 Newton). Ich habe schon oft Handschuhe gesehen, die bei Reißfestigkeitstests durchfielen, nicht weil das Material schwach war, sondern weil die Beschichtung an der Schnittkante eine Spannungskonzentration erzeugte.
Ein praktischer Tipp aus meiner Erfahrung: Bei der Montage scharfer Metallteile ist die Reißfestigkeit wichtiger als die Schnittfestigkeit. Ein Handschuh mit hoher Schnittfestigkeit, aber geringer Reißfestigkeit kann an einem Grat hängen bleiben und aufreißen, wodurch Ihre Hand ungeschützt ist. Ich habe einmal erlebt, wie ein Arbeiter einen Schnittschutzhandschuh der Schutzklasse 5 trug, der an einer Blechkante riss, weil die Reißfestigkeit nur Stufe 1 entsprach.
Durchstichprüfung: Die Nadelpenetration
Bei der Durchstoßprüfung wird ein Stahlstift mit 4,5 mm Durchmesser und einer 0,5 mm abgerundeten Spitze verwendet. Der Stift wird mit einer Geschwindigkeit von 100 mm pro Minute in das Material gedrückt, bis es durchdrungen wird. Die maximal gemessene Kraft entspricht dem Durchstoßwiderstand. Die Skala reicht von Stufe 1 (20 Newton) bis Stufe 4 (150 Newton).
In meinen neun Jahren Testtätigkeit stellte ich fest, dass die Durchstoßfestigkeit stark von der Materialdicke und -dichte abhängt. Ein Standard-Latexhandschuh wird bei 8 Newton durchstochen (unterhalb der Durchstoßfestigkeitsklasse 1), während ein 0,8 mm dicker Latexhandschuh deutlich weniger Widerstand bietet. dicker Lederhandschuh Durchstichfestigkeit bei 120 Newton (Stufe 4). Ich testete jedoch einen speziellen durchstichfesten Handschuh mit einem Einsatz aus Edelstahlgewebe, der 200 Newton erreichte, aber er war für den praktischen Einsatz zu steif.
Es ist wichtig zu beachten, dass der Durchstichtest nach EN 388 keine Nadelstichverletzungen durch Injektionsnadeln simuliert. Der stumpfe Stift ist für industrielle Durchstichgefahren wie Nägel oder Schrauben konzipiert. Für den Schutz vor medizinischen Nadeln ist eine separate Prüfnorm wie ASTM F2878 erforderlich. Ich habe oft erlebt, dass Sicherheitsbeauftragte fälschlicherweise annehmen, ein Durchstichhandschuh der Schutzklasse 4 halte Injektionsnadeln auf, was laut meinen eigenen Tests mit 21-Gauge-Nadeln nicht stimmt.
Interpretation Ihrer EN 388-Ergebnisse
Die Norm EN 388 stellt die Ergebnisse als vierstelligen Code gefolgt von einem Buchstaben dar. Beispielsweise bedeutet 4-3-2-1-C: Abriebfestigkeit Stufe 4, Schnittfestigkeit Stufe 3, Reißfestigkeit Stufe 2, Durchstoßfestigkeit Stufe 1 und TDM-100-Schnittfestigkeit Stufe C. Erfahrungsgemäß beachten viele Anwender nur die ersten beiden Ziffern und ignorieren Reiß- und Durchstoßfestigkeit, was zu gravierenden Fehlinterpretationen führen kann.
Hier ist ein praktischer Entscheidungsrahmen, den ich mit meinen Klienten verwende:
- Bauweise (Beton, Ziegel): Abrieb (Stufe 3+) hat Priorität. Risse und Durchstiche sind weniger kritisch.
- Metallprägung (scharfe Kanten): Schnittverletzungen (Grad D+) und Risse (Grad 3+) haben Vorrang.
- Glashandhabung: Schnittverletzungen (Stufe E+) und Stichverletzungen (Stufe 3+) haben Vorrang.
- Abriss (Nägel, Schutt): Priorität haben Durchstiche (Stufe 4) und Abschürfungen (Stufe 3+).
- Allgemeine Montage (leichte Werkzeuge): Ein Ergebnis von Stufe 2 in allen Tests ist in der Regel ausreichend.
Als verlässliche Informationsquelle verweise ich meine Klienten stets auf die ISO 23388-Standard für die Methodik der mechanischen Prüfung von Handschuhen. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz veröffentlicht ebenfalls einen hilfreichen Leitfaden dazu. Auswahl und Verwendung von Schutzhandschuhen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mechanische Prüfungen mehr sind als nur Zahlen auf einem Etikett. Sie bilden reale Ausfallmechanismen ab, die Verletzungen verhindern oder verursachen können. Als Handschuhexperte mit neun Jahren praktischer Prüferfahrung empfehle ich, die Prüfergebnisse stets an die jeweilige Gefahrenquelle anzupassen. Verlassen Sie sich nicht allein auf ein hohes Testergebnis, um von einem umfassenden Schutz auszugehen. Bei konkreten Fragen zur Handschuhauswahl wenden Sie sich bitte an einen zertifizierten Arbeitsschutzexperten oder Ihr lokales Prüflabor.






